Trinke dich gesund mein Schatz - über das Stillen eines Kleinkindes


Langzeitstillen ist normal. Es ist zwar nicht die Regel. Es ist (leider) sogar relativ selten. Aber es ist normal. Naturgegeben. Wir arbeiten daran, dass es auch als solches verstanden wird. Wir als stillende Mamas. Wir als Stillberaterinnen. Wir als Stillbefürworter. Wir regen zum Umdenken an. Dass sich die Haltung in unserer Gesellschaft ändert. Mit jedem Stillen in der Öffentlichkeit. Mit jedem “Ja, ich stille NOCH.” Mit jedem Lächeln an eine stillende Mama. Gemeinsam kriegen wir das hin (ja, ich glaube daran!). Denn es sollte die Regel sein, sein Kind zu stillen* - und das, solange Mama und Kind damit glücklich sind. Völlig akzeptiert, da normal.

 


 

Aber was bedeutet Langzeitstillen? Wann ist die Stilldauer lang? Nur, weil die Stilldauer sprachlich in lang und kurz eingeteilt wird, ist es trotzdem (das normale) Stillen. Langzeitstillen sagt lediglich etwas über das Alter des Kindes und damit der Stilldauer aus. Das Stillen ist das Gleiche, nur die Milch passt sich an. Die Hochschule Ulm definiert Langzeitstillen mit “Stillen eines Kindes über das erste Lebensjahr hinaus” (Langzeitstillen-Studie über das Stillen von Kleinkindern in Deutschland, Ulrike Koch, Hochschule Ulm 2008). Wenn man eine weltweit durchschnittliche Stilldauer von etwas über vier Jahren annimmt, ist es also sogar unnormal sein zweijähriges Kleinkind nicht (langzeit)zu stillen. Allerdings gibt die Norm(alität) beim Thema Stillen ausnahmsweise nicht die Gesellschaft, sondern die Natur vor. Und diese lässt Kindern bis zur Einschulung ihr Saugbedürfnis (man denke nur an die Vorliebe für den Schnuller mancher Kinder) und auch die Muttermilchproduktion kann über Jahre aufrechterhalten bleiben. Und genau diese von der Natur so vorgesehene Normalität sollte auch wieder zur gesellschaftlichen Gewohnheit werden. Denn mit einem solchen Rückhalt können wir viele Mamas in ihrem Tun unterstützen und bestärken. Und das wäre ein wichtiger Schritt, damit Langzeitstillen wieder die Regel wird.

 

 

Und auch, wenn Langzeitstillen völlig normal ist, verdient es eine ganze Menge Respekt. Denn es ist nicht immer leicht, als Mama stets verfügbar zu sein. Ist Muttermilch die Hauptnahrungsquelle (und es ist völlig normal, wenn das mehr als 12 Monate der Fall ist), darf die Brust nicht zu weit weg sein. Stillmamas können sich nachts nicht ablösen lassen und müssen bei Entwicklungsphasen des/der lieben Kleinen gut und gerne auch mal stündlich stillen. Ja, es ist einfacher, wenn man das im Halbschlaf, liegend im warmen Familien-Bettchen machen kann. Aber es ist ja nicht so, dass man gar nicht wach wird. Es ist sogar vielmehr so, dass Mama immer wieder an ihre körperlichen und geistigen Grenzen kommt - denn wir wissen, nach dem “Schub”, ist vor dem "Schub". Und mal ehrlich - wie oft muss man sich als Langzeitstillende die Frage gefallen lassen: “Stillst du immer NOCH?” Da kommt man gerne mal ins schwanken, was diese Entscheidung angeht (gerade, wenn man tatsächlich nachts am Dauerstillen ist). Denn besonders der Rückhalt von nahestehenden Personen, ist ein wichtiger Faktor in einer Stillbeziehung. Dieser Verantwortung sind sich nur leider Wenige bewusst. Außerdem ist Mama eingeschränkt, was Alkohol und Medikamente betrifft. Auf Alkohol lässt sich meist problemlos verzichten, aber auch wir Mamas werden krank und müssen mal Medikamente nehmen. Zwar gibt es eine Vielzahl stillverträglicher Medikamente (ja, die gibt es!), aber wir müssen uns erstmal Gedanken machen und lassen die Magen-Darm-Grippe vielleicht eher über uns ergehen, als zum Medikament zu greifen. Das kann man durchaus machen. Es ist aber schwieriger, wenn man noch ein Kind mit seiner Milch versorgen möchte. Ich will mich nicht beschweren. Aber findet ihr es nicht auch so faszinierend, was man als Mama alles bereit ist auszuhalten für sein geliebtes Kind (warum wir trotzdem so gerne stillen steht weiter unten ;-)? Und genau deshalb, weil Stillen eben nicht immer leicht ist, verdient jede Mama unseren Respekt.

 

 

Entscheiden sich Mamas gegen das Langzeitstillen, gibt es dafür ganz unterschiedliche Gründe. Auch diese sind - ebenso wie die Entscheidung dafür - zu akzeptieren. Den Grund, das Mama wieder arbeiten geht, möchte ich jedoch gerne entkräften. Geht das Kleinkind künftig in eine Krippe, bedeutet es nicht das Ende einer innigen Stillbeziehung. Denn: Ist die Milch nicht nah, ist auch der Milchhunger fern. Häufig ist es für das Kleinkind gar nicht schwer, während der Zeit in der Krippe auf die Muttermilch zu verzichten. Wenn Mama nicht da ist, schmeckt das Essen in der Krippe aufeinmal ziemlich gut. Das Stillen während der Krippenzeit bringt sogar viel Gutes mit sich. Das Kleinkind bekommt, trotz der Trennung, Rückhalt und Nähe. Die Krippe bringt für ein Kleinkind viel Neues mit sich, da passt es wunderbar das Stillen als etwas Vertrautes zu erhalten. Und auch für Mama ist eine kuschelige Stillmahlzeit am Nachmittag schön, denn die Fremdbetreuung ist auch für sie eine ganz neue Situation. Außerdem enthält die Muttermilch im zweiten Stilljahr eine sehr hohe Konzentration an Antikörpern (ähnlich des Gehalts im Kolostrum), welche vor Krankheiten schützen. Das ist anhand der Infektionsraten in Krippen nicht irrelevant.

 

 

Es ist also etwas so Wunderbares, was wir unseren Kindern durch das Stillen geben können.

Stillen stillt den Hunger von Bauch und Seele.

Es füllt eben nicht nur den Bauch, sondern es tröstet auch die Seele. Es gibt Halt, wo die Welt noch neu ist. Es trocknet die Tränen, wenn die ersten Schritte schief gehen. Es beruhigt, wenn der Sandmann mit dem Schlafsand zu sparsam war. Und es kann zur Genesung beitragen, wenn der Bauch mal wieder rebelliert. Genau, das habe ich mit meinem DeisterBaby alles erlebt. Und letzteres habe ich erst vor ein paar Tagen wieder vor Augen geführt bekommen.

 

 

Denn mein DeisterBaby war krank. So krank, dass das kleine Bäuchlein weder Essen noch Wasser vertrug. Essen ok, aber Wasser? Das machte mich dann doch sehr nervös. Aber ich wurde schnell wieder ruhiger. Denn bei einer Sache rebellierte der Bauch nicht: Muttermilch. Also wurde mein DeisterBaby gestillt. Und es wollte an diesem Tag oft seine Milch haben. Aber genau das war es, was mich ruhiger machte. Denn ich wusste, dass mein DeisterBaby dadurch gut versorgt war und vorallem genügend Flüssigkeit zu sich nahm. Es wurde später Abend und meine Ruhe ging auf mein DeisterBaby über. Erschöpfung auf Mama- und Babyseite machte sich breit. Wir kuschelten uns ins Bettchen und stillten zum Einschlafen noch eine Runde. Kurz bevor mein DeisterBaby die Augen zumachte, flüsterte ich schließlich: “Trink Dich gesund mein Schatz” und schon war es im Land der Träume versunken.

 

 

Das war wieder so ein Moment, indem ich einfach glücklich war mein DeisterBaby weiterhin (langzeit)zu stillen. Kennt ihr diese Momente auch? Wenn ihr eine innere Zufriedenheit spürt und wisst ihr habt alles richtig gemacht? Denn genau diese Momente sind es doch, die uns motivieren unsere Kleinkinder zu stillen.

 

*Sabrina

 

 

*Dies ist ein Beitrag über das Langzeitstillen und nicht gegen Formularnahrung (oder gar Stillen über eine kürzere Zeit). Eine Vielzahl meiner Gedanken lassen sich problemlos übertragen.