(Wimmel)Bücherwurm - Warum Kleinkinderbücher ins unterste Regal gehören


 

 

 

Wimmelbücher, Bilderbücher, Klappbücher, Schiebebücher, Soundbücher, Badebücher - sie verstecken sich alle irgendwo in unserem Haushalt. Ich, als bekennender Bücherwurm, habe diese kleine Sucht wohl auf meinen Sprössling übertragen. Denn mein DeisterBaby rennt zur Zeit den halben Tag mit einem Buch in der Hand rum. Immer und immer wieder legt es mir die selben Bücher auf den Schoß, in der Erwartung, dass ich sie aufklappe und mit ihm über die Bilder darin rede.

 

 

 


 

Die Bücher sind überall. Im Kinderzimmer stehen sie auf dem kleinen Tischchen mit dem Stuhl davor. Im Wohnzimmer liegen sie in der Spielecke neben dem Kuschelkissen. Der Rest steht mehr oder weniger ordentlich im Schrank (im untersten Regal natürlich) oder fliegt gerade auf der Couch, dem Boden oder sonst wo rum - wie man es halt von Spielzeug so kennt. Aber sind Bücher wirklich Spielzeug? Sollen wir unseren Kindern das so vermitteln? Sind Bücher mit Spielzeug vergleichbar? Ich denke ja! Ja, weil sie von unseren Kindern benutzt werden soll - und das machen Kinder so gerne im Spiel. Ja, weil sie für unsere Kinder immer erreichbar sein sollten - sie nützen nichts säuberlich sortiert im obersten Regal, damit sie hübsch ansehnlich bleiben. Ja, weil sie genau das Tun, was Spielzeug sonst auch tun sollte - die Kreativität anregen und die Fantasie blühen lassen.

 

Kinderbücher sind Spielzeug

 

Und in zwei Dingen ähneln sich Bücher und das andere Spielzeug auch: Sie sind in der Neuanschaffung meist teuer und können kaputt gehen. Natürlich sind Bücher nicht immer günstig. Aber seien, wir mal ehrlich - das ist das wenigste Spielzeug. Und ja, sie gehen auch kaputt oder bekommen einen Knick - aber das stört meistens mehr uns Erwachsene, als unsere Kinder. Und doch gibt es Möglichkeiten, damit wir Eltern uns eher mit dem Gedanken der Bücher als Spielzeug anfreunden können. Zum einem können wir Bücher meist sehr preiswert auf Flohmärkten bekommen. Da gibt es immer wieder Exemplare, die eindeutig nur im obersten Regal standen und daher aussehen, wie unbespielt. Und selbst eine Kerbe im Cover sollte uns nicht abhalten, denn die kommt sowieso rein. Und das ist auch gar nicht schlimm. Diese Kerbe hält Kinder nicht davon ab, sich das Buch zu nehmen und sich über die 10 verschiedenen Katzen darin zu freuen. Und es hält sie auch nicht ab, das Buch immer und immer wieder von vorne nach hinten durchzublättern. Denn es stört sie einfach nicht. Und noch ein kleiner Tipp: (fast) überall sind die Büchereiausweise für Kinder kostenlos. Wer also nicht kaufen möchte, kann die Bücher für sein Mini auch ausleihen. Die Bücherhersteller sind außerdem sehr pfiffig und lassen sich immer neue Dinge einfallen, um die Bücher haltbarer zu machen. Pappbücher sind altbekannt, seit einiger Zeit gibt es aber auch unkaputtbare Bücher. Sie sind unzerreißbar, wasserabweisend und schmutzresistent. Es gibt also auch Bücher, die mehr als ein sorgsames Durchblättern aushalten.

 

Raum und Zeit beim Sprechen

 

Warum sollen wir uns als Eltern aber überhaupt mit Büchern beschäftigen? Warum sollen wir Bücher kaufen und keine Hörspiele? Weil Bücher unseren Kindern etwas geben, was Hörspiele nicht können - Kommunikation und Ruhe. Hört das Kind sich eine CD an, wird gesprochen. Guckt es sich ein Buch mit Mama an, sprechen Kind und Mama miteinander. Es wird erzählt und gekuschelt - beide wollen schließlich ins Buch gucken. Es ist ein Moment der Ruhe - aber auch der Konzentration. Bücher können aber noch mehr. Sie regen das Kind immer wieder an, sich in andere Rollen zu versetzen und schulen damit ihre soziale und emotionale Kompetenz. Aus ihren Büchern haben sie erfahren, dass es andere Kinder traurig macht, wenn sie nicht mitspielen dürfen und zwar weil man dann alleine spielen muss. Mein DeisterBaby ist mit seinen fast zwei Jahren bei dieser Erkenntnis noch nicht angekommen. Es möchte gerade Dinge benennen. Ständig heißt es “Tzu” oder “Dade”, also Schuh und Katze. Das absolute Lieblingsbuch dafür: Meine liebsten Wörter von Ravensburger. Wir haben angefangen mit: “Ja, eine Katze!”, wenn das DeisterBaby auf eine gezeigt hat. Dann: “Ist das eine Katze?” Ja. “Wo ist die Katze?” Da. “Was ist das?” Katze (oder halt erstmal Dade :-). Auf dem Weg zum Spielplatz dann auf einmal ein Schrei: Daaaaaaaaa!!! Und siehe da. Mein DeisterBaby hat eine (echte) Katze erkannt und somit das Bild aus dem Buch verinnerlicht. Das macht Mama natürlich stolz! Zwischendurch schlagen wir das Buch aber auch nur auf und mein DeisterBaby erzählt, was es eben so sieht. Auch das ist wichtig. Dem Kind Raum zu geben und ihm zuzuhören. Auch, wenn wir die Worte vielleicht nicht verstehen, sollte man sein Kind in dieser Situation ernst nehmen. Das stärkt das Selbstvertrauen, was unsere Kinder in vielerlei Hinsicht brauchen. Und stelle Dir mal vor, Du lernst eine ganz neue Sprache und dein Gegenüber lacht Dich beim Sprechen aus. Kein schönes Gefühl! Und wie wäre es, wenn Dir ständig jemand vorgreift, weil Du erst noch nach dem Wort suchst? Oder Dich ständig korrigiert? Genauso blöd. Wir sollten unseren Kindern also Zeit und Raum geben, um das zu sagen, was sie uns sagen möchten. Auch, wenn es kleine Menschen sind, können wir Ihnen auf Augenhöhe begegnen.

 

Aber bitte, versteht mich nicht falsch. Es ist nicht so, dass man als Mama ein Buch nehmen soll um Vokabeln abzufragen. Es geht nicht um Förderung. Es geht ums Begleiten. Dem Kind in seinem Vorhaben an der Seite zu sein. Das bedeutet aber auch, dass die Kinder mit dem Buch von alleine zu einem kommen. Oder man einfach mal fragt, ob man sich zusammen ein Buch anschauen möchte (und auch ein Nein akzeptiert). Es bedeutet auch, dass das Kind sich das Buch selbst aussucht. Um das tun zu können, müssen unsere Kinder aber an die Bücher auch jederzeit rankommen. Sie müssen verfügbar sein, im Blickfeld. Bei all dem anderen Spielzeug. Deshalb im untersten Regal vom Bücherschrank!

 

Was aber meine ich mit diesem untersten Regal? Es ist ein Sinnbild. Die Bücher können in einer Kiste auf dem Boden im Kinderzimmer oder in einem Korb in der Spielecke stehen. Oder sie lehnen einfach gegen die Wand. Es geht um einen Platz, an den das Kind alleine rankommt und sich vorallem auch aufhält. Die Bücher nützen nichts im Kinderzimmer, wenn dein Kind dort nie spielt (was ja nicht ungewöhnlich wäre). Habt ihr ein Bücherregal im Wohnzimmer stehen, dann macht doch einfach das unterste Regal frei für die Bücher eurer Kinder. Ihr könnt aber auch einfache Bilderrahmenleisten (unten!) an der Wand befestigen und die Bücher darauf stellen. Besonders beliebt sind auch die Holz-Gewürzregale von Ikea für diesen Zweck (DIY). Die könnt ihr auch noch passend zum Kinderzimmer lackieren. Natürlich gibt es auch wunderschöne Bücherregale für Kleinkinder zu kaufen. Diese sind (meist) nur recht kostspielig. Oder vielleicht ist Papa auch begabt und nimmt nach dem learning-tower das Bücherregal in Angriff…

 

Vorlesen als Einschlafritual

 

Natürlich möchte mein DeisterBaby hin und wieder auch gerne einfach ein Buch vorgelesen bekommen. Sein Highlight am Tag ist zur Zeit “Der Grüffelo” von Axel Scheffler und Julia Donaldson. Eine wirklich tolle Geschichte, wie ich finde, die auch uns Erwachsenen nochmal zum Nachdenken und Schmunzeln bringt. Zur Nacht liebt er “Wenn kleine Tiere schlafen gehen” von Marina Rachner und Anne-Kristin zur Brügge. Ein richtig schönes Buch mit gelungenen Reimen und einem schönen Ende. Dieses Buch lässt sich mein DeisterBaby gerne auch mal öfter hintereinander vorlesen. Was für uns Erwachsene manchmal etwas beschwerlich sein kann, ist für unsere Kinder unglaublich wertvoll. Durch die Wiederholung verarbeiten sie die Geschichte. Und das braucht halt etwas länger als zweimal die Geschichte zu lesen.

 

Das Vorlesen kann übrigens auch eine echte Alternative zum Einschlafstillen oder anderen Schlafritualen sein (ja, man kann auch schon Babys vorlesen). Es kommt doch immer ein Zeitpunkt an dem das Altbewährte nicht mehr funktioniert zum Einschlafen. Mit meinem DeisterBaby kam ich mit einem halben Jahr an diesen Punkt. Ich ging in eine Buchhandlung (ja, go local) und kaufte ein wunderhübsches Märchenbuch. Eines, was die Geschichten toll nacherzählt, mit einem hübschen Cover aus Samt mit goldfarbenden Verzierungen. Eben ein Buch für Mama und nicht für das Baby. Aber das ist auch völlig egal. Es kann irgendein Buch sein. Denn es geht nicht um das WAS erzählt wird, sondern um das WER. Es ist die vertraute Stimme, die unsere Kinder entspannen lässt und sie (hoffentlich) ins Land der Träume entführt. Es ist genau, wie mit Kinderliedern. Viele Mamas sagen mir, sie wollten das Lied aus dem Kurs von letzter Woche nachsingen und ihnen fiele der Text einfach nicht ein. Ich sage euch, der Text ist völlig unerheblich - es geht um die Stimme. Eure vertraute Stimme. Babys brauchen beim Streichellied keinen fehlerlosen Text (von jedem Lied gibt es eh dutzende Versionen), sondern Nähe durch Berührung, Aufmerksamkeit und eure Stimme.

 

 

Bücher schaffen die gleiche Verbindung - Nähe, Aufmerksamkeit und Stimme. Also kuschelt euch mit eurem Kleinkind zusammen und holt euch ein schönes Buch - aus dem untersten Regal!

 

*DeisterMama


Kommentar schreiben

Kommentare: 0